Daten- und Videoprojektoren
Autor: Mag. Erhard
Ipp, dztg. Entwicklungsleiter von Science-Vision, der Forschungsabteilung von
In-Vision.
Erschienen im Jahresbericht der
HTBLuVA Mödling, 1999.
Etwa 90% aller
Informationen aus seiner Umwelt nimmt der Mensch über das Auge auf. In der
täglichen Unterrichtspraxis muss diese Tatsache natürlich Berücksichtigung
finden, und so plagt sich der Lehrer meist an der Tafel oder auch mit dem
Overheadprojektor herum, um den Schülern die Lehrinhalte sichtbar
zu machen. Manchmal - leider viel zu selten - gibt es auch ein Video, das gerade
zum Lehrstoff passt. Und da beginnt auch schon das Problem: Fernsehgeräte sind
zwar in ausreichender Zahl vorhanden, aber unter welchem Betrachtungswinkel
erscheint der Bildschirm dem Schüler aus der letzten Reihe? Details wird er
jedenfalls nicht mehr erkennen können. Also auf in den Filmsaal, und den
Videoprojektor einschalten. Das kostet zwar Zeit und ist auch nicht immer
möglich, aber kein Schüler wird benachteiligt.
Wie funktioniert
aber so ein Videoprojektor, und warum kann nicht in jedem Klassenraum solch ein
Gerät aufgestellt werden? Die zweite Frage ist leicht zu beantworten: Die
Projektoren sind (noch) zu teuer und/oder (noch) zu "lichtschwach" für den nicht
abgedunkelten Klassenraum. Die Frage nach der Funktionsweise ist nicht mehr so
leicht zu beantworten. Gerade in letzter Zeit sind von verschiedenen Firmen
Projektoren auf den Markt gebracht worden, denen ganz unterschiedliche
Funktionsprinzipien zugrunde liegen. Bis vor wenigen Jahren waren
Videoprojektoren fast ausschließlich CRT-Projektoren, also Projektoren,
bei welchen das Fernsehbild in die drei Grundfarben zerlegt, auf je einer
Kathodenstrahlröhre dargestellt und durch drei Objektive auf den Bildschirm
projiziert wird. Diese Technik hat jedoch eine Reihe von Nachteilen.
Angefangen von den Schwierigkeiten die es bereitet, bei Änderung der
Projektionsentfernung die drei Einzelbilder wieder zur Deckung zu bringen, bis
zur physikalisch bedingten Verknüpfung der Bildqualität mit der Lichtstärke:
Durch die gegenseitige Abstoßung der Elektronen führt eine Erhöhung der
Lichtstärke, die hier ja nur über einen stärkeren Elektronenstrahl zu erreichen
ist, zu einem größeren Bildpunkt und damit zu geringerer Auflösung, also
Bildschärfe. Dieses System ist weder für die Tageslichtprojektion noch für das
hochauflösende Fernsehen (HDTV) geeignet.
Moderne
Videoprojektoren sind sogenannte "Lichtventilprojektoren" (light-valve
projection). Lichtventile bestehen allgemein aus einer steuerbaren Substanz,
die dem Lichtstrom aus einer lichtstarken Projektionslampe die Bildinformation
entsprechend der angelegten elektronischen Signale aufprägt. Eine Möglichkeit,
den Lichtstrom bildgebend zu beeinflussen bietet das Flüssigkristall-Display
(LCD), und von verschiedenen Firmen wurden bereits Projektoren in dieser
Technologie sowohl für Spezialanwendungen als auch für den Konsumer-Bereich auf
den Markt gebracht. Die meisten dieser Projektoren beruhen auf Diaprojektion,
das heißt das Licht des Kondensors wird durch das LCD geleitet und bildgebend
beeinflusst. Das Prinzip entspricht damit dem eines Dia- bzw. Filmprojektors,
bei dem das Dia bzw. der Film durch ein LCD ersetzt ist. Da mit einem LCD nur
Grauwerte geschaltet werden können wird zur Farbprojektion derzeit meist ein
System aus 3 LCDs verwendet. Hier wird das weiße Licht des Kondensors zuerst in
die drei Grundfarben (Rot, Grün und Blau) zerlegt, nach Durchgang durch die LCDs
mittels Farbteilerwürfel wieder zusammengespiegelt, und mit einem gemeinsamen
Objektiv projiziert. Die lichtstärksten dieser Projektoren bringen über 1000
ANSI-Lumen auf die Projektionswand und würden sich damit recht gut für den
Einsatz im Klassenzimmer eignen. Einer weiteren Erhöhung des Lichtstromes sind
aber doch gewisse Grenzen gesetzt: Die Funktion der LCD beruht auf Drehung der
Polarisationsebene - nicht benötigtes Licht (schwarzes Bild bzw. Bildanteile)
wird in Polarisationsfolien absorbiert. Nun ist Licht natürlich auch eine
Energieform und führt damit zu einer entsprechenden Erwärmung der
Polarisationsfolien, die im allgemeinen auf den LCD aufgeklebt sind. Und LCD
funktionieren nur bis etwa 65°C.
LCD-Projektoren bei
denen ein Farb-LCD verwendet wird sind älteren Ursprungs und damit billiger,
aber größer und lichtschwächer.
Abgesehen von
diesen, auf Diaprojektion beruhenden Verfahren gibt es auch Verfahren,
die auf Epiprojektion beruhen. Der älteste für Großbildprojektion
geeignete Projektor ist der sogenannte Eidophor-Projektor, bei dem eine
Ölschicht auf einem sphärischen Reflektor durch ein von einem Elektronenstrahl
eingeschriebenes Ladungsmuster deformiert wird. Das Licht erfährt bei der
Reflexion keine Abschwächung, sondern wird an jenen Stellen, an denen der Ölfilm
deformiert ist, nur etwas in der Richtung geändert (phasenmoduliert). Die
Umwandlung dieser Phasenmodulation in eine Intensitätsmodulation
(Projektionsbild) wird durch ein schlierenoptisches Dunkelfeldsystem
bewerkstelligt. Vereinfacht gesagt: Lichtstrahlen die am Reflektor nicht in
ihrer Richtung geändert wurden werden zur Lampe zurück reflektiert, jene, deren
Richtung durch die deformierte Ölschicht geändert wurde, gelangen ins
Projektionsobjektiv und führen zu einem entsprechenden Bildpunkt auf der
Projektionswand. Da die Lichtstärke nur von der verwendeten Lampe abhängig ist,
sind große helle Bilder mit hoher Auflösung möglich. Da auch das zur
Bildgestaltung nicht benötigte Licht am Reflektor reflektiert und nicht
absorbiert wird, führt es zu keiner Erwärmung. Derartige Projektoren wurden in
den letzten Jahren z.B. anlässlich der Wiener Festwochen auf dem Rathausplatz
zur Projektion von Opern und Konzerten verwendet.
In letzter Zeit
wird intensiv an Verfahren zur Lichtmodulation gearbeitet, die zu einem, dem
Eidophor-Projektor ähnlichen Projektionssystem führen. Eines dieser Verfahren
stellt eine geradezu ideale Verbindung mechatronischer und optischer
Prinzipien dar, und da es kurz vor der Markteinführung steht, möchte ich es hier
etwas ausführlicher beschreiben: Herzstück dieses Projektionssystems ist eine
Spiegelanordnung, die aus einer großen Zahl von winzigen Einzelspiegeln
besteht. Diese Spiegelanordnung wird als DMD (Digital Micromirror Device)
bezeichnet. Jeder quadratische Einzelspiegel hat eine Seitenlänge von 16µm
(neuerdings 13µm), und ist mit Torsionsfedern gelagert. In Abb. 1 ist eine
Anordnung aus zwei derartigen Spiegeln dargestellt. In Ruhelage, d.h. ohne jede
Ansteuerung, sind die Spiegelflächen der Einzelspiegel (in Abb. 1 durchsichtig
gezeigt) parallel zur Grundfläche angeordnet. Wenn sie durch die Elektronik (CMOS-Matrix)
angesteuert werden, können sie in die zwei dargestellten Richtungen gekippt
werden: In einer Endstellung sind sie um -10° (neuerdings -12°) gekippt (Off),
in der zweiten Endstellung um +10°(+12°) (On). Der Kippwinkel von
±10°(±12°)
wird dabei durch Anschläge begrenzt. Die Spiegelkippungen werden durch
elektrostatische Anziehung bewirkt, die durch eine entsprechende
Spannungsdifferenz zwischen Spiegel bzw. Auslenkelektrode und dem entsprechenden
Speicherbaustein in der CMOS-Matrix hervorgerufen wird.
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Abb. 1: Zwei DMD-Pixel (die Spiegel sind
durchsichtig dargestellt) |
Ausgangspunkt zur
Herstellung eines DMD ist die Fertigung eines CMOS Schaltkreises auf einem
entsprechenden Substrat. Eine relativ dicke Oxidschicht wird über der letzten
Metallschicht des CMOS aufgebracht und dann mit Hilfe einer speziellen
chemo-mechanischen Poliermethode (CMP) exakt planpoliert. Dies ist notwendig,
damit für die Herstellung aller Einzelspiegel exakt die gleichen Voraussetzungen
gegeben sind. Der Aufbau der Mikrospiegelstruktur erfolgt unter Verwendung von
sechs Photomasken, mit deren Hilfe mittels dünnfilmtechnischer Methoden
nacheinander die Elektroden, Torsionsfedern und Spiegel sowie Abstandshalter aus
Aluminium geformt werden. Um die notwendigen Abstände zwischen den einzelnen
Aluminiumschichten herzustellen werden Schichten aus organischen Materialien
aufgebracht. Die Struktur der einzelnen Aluminiumschichten wird durch ein
Plasma-Ätzverfahren unter Verwendung einer SiO2 -Ätzmaske geformt.
Nach Fertigstellung der letzten Schicht (Spiegelflächen) werden die organischen
Schichten mittels Plasmaätzverfahren wieder gelöst. Zuletzt wird noch ein
dünner Ölfilm aufgebracht, damit die Anschläge der Auslenkelektroden während der
Schaltvorgänge nicht durch Adhäsionskräfte an der Unterlage haften bleiben.
Abb. 2 zeigt die
mit einem SEM (Scanning Electron Microscope) aufgenommene Struktur eines
Mikrospiegelhalters, ohne den aufgesetzten Spiegel. Deutlich sind die
Torsionsbandfedern und die Anschläge an den Spitzen der Auslenkelektrode zu
sehen.
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Abb. 2: Aufnahme von Torsionsfeder und
Auslenkelektrode mittels Elektronenmikroskop |
Optisches Prinzip:
Das DMD kann als "Lichtschalter" (SLM, Spatial Light
Modulator) aufgefasst werden mit dessen Hilfe das vom Kondensor gebündelte Licht
in das Objektiv gespiegelt, oder am Objektiv vorbeigelenkt wird (DLP, Digital
Light Processing system). In Abb. 3 ist dieses Prinzip für einen Einzelspiegel
dargestellt. Da die Änderung der Lichtrichtung bei einer Spiegeldrehung
jeweils doppelt so groß ist wie der Drehwinkel des Spiegels, kann der Kondensor
um etwa 20° gegenüber der Projektionsachse verschwenkt sein. Wichtig ist, dass
auch das sogenannte "0°-Licht" nicht in das Projektionsobjektiv gelangt, da
sonst ein "Pixelfehler" zu einem hellen, störenden Bildpunkt führen würde. In
der praktischen Ausführung ist dieser Aufbau natürlich nicht möglich, da ja die
ganze DMD-Fläche gleichmäßig ausgeleuchtet werden muss, und das Licht dann in
der Eintrittspupille des Projektionsobjektivs konzentriert werden soll um ein
helles Projektionsbild zu erhalten. Es müssen also weitere Optische Elemente –
Prismen und/oder Linsen- angeordnet werden.
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Abb. 3: DMD als optischer Schalter |
Unterschiedliche Grauwerte können durch verschieden lange
Auslenkzeiten der Mikrospiegel erhalten werden, da das Auge für sich in kurzen
Zeitabständen (1/50 Sekunde) ständig wiederholende Lichtimpulse integrierend
wirkt. Da die minimale optische Schaltzeit etwa 2 µs beträgt, bleiben auch bei
einer Bildwiederholfrequenz von 50 Bildern/s genügend Zeitintervalle um 256 oder
sogar 1024 Graustufen darzustellen.
Wie aber wird das System farbtauglich? Eine Möglichkeit
ergibt sich aus den kurzen Schaltzeiten des DMD und der Tatsache, dass das
menschliche Auge auch nacheinander dargestellte Farben integriert und uns als
Mischfarbe erkennen lässt. Die als RGB-Signal vorliegenden Bildinformationen
werden der Elektronik des DMD nacheinander aufgeschaltet und damit nacheinander
projiziert. Zwischen Kondensor und DMD befindet sich ein sogenanntes Farbrad,
also ein dreigeteiltes Filterrad, das in seinen Farbsegmenten die Farbanteile
Rot, Grün und Blau des weißen Lichtes durchlässt. Es ist natürlich eine exakte
Synchronisation von Drehzahl und Winkellage des Farbrades mit der Ansteuerung
des DMD erforderlich damit dem DMD z.B. genau dann die "Grauwertanteile" der
blauen Bildinformation aufgeschaltet werden, wenn das blaue Segment des
Farbrades in den Strahlengang des Kondensors eintritt.
Eine weitere Möglichkeit, einen farbtauglichen Projektor
aufzubauen ist durch die Verwendung von drei DMD gegeben. Hier muss das Licht
durch ein Prismensystem zunächst in die Grundfarben zerlegt und nach Reflexion
am jeweiligen DMD wieder zusammengespiegelt werden. Ein möglicher Aufbau eines
derartigen Projektors ist in Abb. 4 vereinfacht dargestellt: Das Licht der
Metalldampf- oder Xenonlampe wird zunächst meist durch einen Parabolreflektor
parallel gerichtet, und mittels Kondensor auf das DMD gelenkt. Um den Abstand
des Projektionsobjektivs vom DMD gering halten zu können, erfolgt die
Einspiegelung des Lichtes über ein sogenanntes TIR-Prisma.
"TIR" bedeutet "total internal
reflection", also Totalreflexion. Die Winkel diese
Prismas sind dabei so gestaltet, daß für das vom Kondensor kommende Licht
Totalreflexion gegeben ist, das vom DMD reflektierte Licht jedoch ungehindert
passieren kann. Die beiden Einzelprismen des TIR-Prismas sind nicht miteinander
verkittet, sondern haben einen Abstand von etwa 10µm voneinander. Die
Farbteilerprismen müssen so ausgelegt sein, dass der Abstand von jedem DMD zum
Projektionsobjektiv exakt gleich groß ist. Auf die Prismen des
Farbteilersystems werden vor dem Verkitten dichroitische Beläge aufgedampft.
Diese Beläge reflektieren jeweils einen bestimmten Spektralbereich (Blau bzw.
Rot), und lassen Licht anderer Wellenlänge fast vollständig durch. In Abb. 4
reflektiert z.B. das erste Farbteilerprisma Blau, und lässt Grün und Rot durch.
Das blaue Licht gelangt zum DMD3, wird dort entsprechend der Bildinformation
reflektiert und gelangt nach nochmaliger Reflexion an der dichroitischen Schicht
des ersten Farbteilerprismas in das Projektionsobjektiv.
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Abb. 4: Optisches System eines 3-Chip
DMD-Projektors. |
Die Auflösung eines derartigen Projektors hängt von der Größe
des DMD ab. Da der Mittelpunktsabstand zweier Mikrospiegel 17µm beträgt, kann
mit einem DMD der Diagonale 0,7 in. (17,8mm) eine Auflösung von 800x600
Bildpunkten (SVGA) erreicht werden. Für XGA-Auflösung (1024x768 Bildpunkte) ist
eine Diagonale von 0,9 in. (22,9mm), für SXGA-Auflösung (1280x1024 Bildpunkte)
eine solche von 1,1 in. (27,9mm) erforderlich. Neue DMDs mit 13,68µm
Spiegelabstand haben bei SXGA-Auflösung eine Diagonale von 0,9 in. Auch
Projektoren mit HDTV-tauglicher Auflösung (1920x1080 Bildpunkte,
Seitenverhältnis 16:9) wurden bei internationalen Messen bereits vorgestellt.
Die Lichtstärke ist dabei durchaus mit jener der Eingangs erwähnten
Eidophor-Projektoren vergleichbar.
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